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 Pferdeworkshop in Landolfshausen

Sieben Ponys und  Pferde leben auf "unserem Gärtnerhof" in Landolfshausen bei Kerstin, Andreas, Malte und Moritz. Wir waren zu elf Mitgliedern der Solidarischen Landwirtschaft eingeladen, an einem Pferdeworkshop teilzunehmen. Am Sonntagmorgen, den 9.2.2014 um kurz nach neun machten wir uns auf den Weg. Zwei kamen direkt mit dem Fahrrad, Sven mit seiner Tochter und der wagemutigen Rosmarie auf einem Motorrad, einer alten wunderschönen Moto Guzzi mit Beiwagen. Die übrigen fuhren mit dem Automobil zum Hof.

Nach der herzlichen Begrüßung versammelten wir uns dann zur ersten Theoriestunde in einem der vier Gewächs häuser in einer Runde aus Strohballen. Andreas stellte uns die verschiedenen Pferdearten vor, vom Pony mit einem Stockmaß bis 1,48 m, dem Kleinpferd und dem großen Pferd, die sich wieder in Kalt- und Warmblüter unterschieden. Übrigens, die Körpertemperatur liegt bei allen Pferden bei 38 °C, die Attribute warm und kalt beziehen sich auf das Temperament. Die Kaltblüter, die ich immer noch als die Bierkutschenpferde in Erinnerung hatte, wurden erst im 18 Jahrhundert gezüchtet, um  schwere Lasten zu bewegen. Seit der Motorisierung in allen Bereichen wurden die Pferde nicht mehr gebraucht, sondern nur noch zur Freude weniger für den Sport und die Freizeit genutzt.  Zum Wesen der Pferde ist anzumerken, dass es sich um Fluchttiere handelt, die beim ersten Schrecken erst DSC 5832einmal 800 m laufen, sich dann umdrehen und schauen ob die Gefahr vorbei ist. Dieses Verhalten ist genetisch geprägt und nur durch geduldige Zuwendung des Meschen halbwegs in den Griff zu bekommen. Wenn man die Herkunft, weite Steppen, bedenkt und dass Tiger und andere Fleischfresser hinter den Pferden her waren, ist das eine natürliche und überlebenswichtige Reaktion. Daraus ergibt sich auch schon die erste Verhaltensregel gegenüber Pferden und Ponys, keine lauten Töne und hektische Bewegungen, alles in Ruhe, Umsicht und Gelassenheit. Diese Haltung war mir sehr symphatsich und sollte uns den Weg zu einem schönen Erlebnis ebnen. Wenn man bedenkt, dass so ein Kaltblüter mal eben 800 Kg oder mehr  auf die Waage bringt, wird einem auch die Kraft bewusst, die in einem solchen Geschöpf steckt. Der Mensch kann nur durch Güte und gleichzeitiger Strenge diese großartigen Tiere zu einem Verhalten veranlassen, welches einen Einsatz in der Landwirtschaft und auch als Reittier möglich macht. Früher war das alles selbstverständlich, wenn auch die Methoden der Pferdedomestizierung unterschiedliche waren und auch heute noch sind. Hier auf dem Hof ist die Gemeinschaft von Mensch und Tier geprägt von gegenseitigen Achtung und wohlwollender Bestimmtheit. Das merken die Pferde und fügen sich dann auch in die eingeübten Verhaltensweisen, deren SteuDSC 5741erzeichen durch den Menschen  sich teilweise nur auf wenige Gesten oder Töne reduzieren.  Bevor wir uns den Pferden zuwandten, sollten wir erst einmal die verschiedenartigen Bodenbearbeitungsgeräte kennenlernen, die hinter den Pferden zur Bestellung der Felder draußen und in den Gewächshäusern genutzt werden. Das waren einfache, aber sehr effektiv anpassbare Gerätschaften, die verschiedene Funktionen erfüllten: eine kleiner Pflug aus dem 19. Jahrhundert, eine Anhäufler, ein Grubber, verschiedene Eggen, Wiesenebner und viele andere mehr.  Schaut euch die Bilder an. Andreas gab uns auch eine Sicherheitsunterweisung: Niemals zwischen dem Pferd und dem angeschlagenen Gerät stehen, um nicht untergepflügt zu werden, wenn das Pferd durch welchen Einfluss auch immer, einmal unkontrolliert durchgeht. Auch hinter dem Pferd stehen kann ungesund sein, denn ein Tritt kann einen schon mal ins Jensseits befördern oder mindestens beschädigt einige Meter durch die Luft wirbeln lassen. Das muss nicht einmal böse gemeint sein, es kann auch impulsiv aus Lebensfreude passieren...

Für die Arbeit in den Gewächshäusern eignen sich die Pferde besonders gut, denn wer möchte schon die giftigen Abgase einer Maschine einatmen, vom Lärm ganz zu schweigen.

Nun lernten wir die Pferde und Ponys kennen.  Gleich drei holte Andreas und Malte aus dem Gehege und banden sie mit einer leicht lösbaren Seilschlaufe am Gatter an. Leicht lösbar deshalb, dass die Tiere bei einem Fluchtrefex nicht gleich das ganze Gatter einreißen. Damit muss man immer rechnen. Aber alles ging heute gut. Wir durften die Tiere striegeln und die Hufe putzen. Das sind wichtige Handlungen, um den Gemüts- und Gesundheitszustand der Tiere zu prüfen, bevor ihnen das Geschirr angelegt wird. Außerdem vertieft dieses DSC 5776Ritual die Verbindung zwischen Mensch und Tier. Ich wusste gar nicht, wie viel Arbeit man ins Striegeln und Putzen reinstecken kann, die Körperfläche ist schon gewaltig. Aber es machte auch Freude und die Tiere spüren das. Andreas zeigte uns nun verschiedenartige Geschirre, mit denen die Pferde auf die Arbeit vorbereitet werden. Da gab es ein großes, schwedisches Kummet, welches 1600 € kostet und das Pferd mit vielen gut gepolsterten Lederauflagen und einer ausgeklügelten Riemen- und Seilführung für das Ziehen der Last vorbereitet. Ganz wichtig ist hier, dass sich das Geschirr an die jeweilige Anatomie des Tieres optimal anpassen lässt. Dann zeigte uns Andreas, wie er nur durch kleine Gesten und Töne das Connemarapony mit Namen Tequila, dazu bringen konnte, neben ihm herzulaufen. Das war schon beindruckend und lässt schnell vergessen,  wie viel Geduld und Erziehung damit verbunden waren, bis das alles so leicht abläuft. Danach konnten wir uns selbst als Pferdelenker betätigen, indem wir die Zügel gleichmäßig unter leichter Spannung hielten und einfach "Geh" riefen. Tequila ging langsam los und reagierte sogleich auf eine einseitige Spannung der Zügel. In die Richtung der größeren Spannung ging es dann. Wir durften alle eine Runde drehen. Erstaunt hatte mich das Feingefühl und die Koordinationsfähigheit, als Tequila zwei quer liegende Hindernisbalken auf dem Boden überging ohne auch nur einmal mit den Hufen anzustoßen.  Mit einem  "Hoooh" blieb Tequila sofort stehen.

Danach machten wir erst einmal eine Pause im warmen Zelt auf unserer Strohrunde. Kerstin tischte eine sehr leckere, heiße Gemüsesuppe auf, aus eigenem Anbau versteht sich. Das war eine Wohltat, draußen waren es nur ein paar Grad über Null und so konnten wir unsere kalten Finger an der heißen Schale  wärmen und die Suppe langsam und genüsslich verspeisen. Lecker.  Danach gab es noch einen heißen Tee, bevor wir mit der eigentlichen Arbeit beginnen sollten.

Tequila und Tricky, ein kleines Shetlandpony sollten uns nun dabei helfen, den Boden in zwei Gewächshäusern für die anstehende Bepflanzung vorzubereiten.  Dazu wurde ein DSC 5796Anhäufer angespannt, Andreas führte Tequila und Malte steuerte das Gerät. Es sah alles so leicht aus, Tequila ging los, der Boden wurde in einer geraden Spur gewendet, einmal hin und zurück in drei Minuten. Eine Furche neben der anderen. Dann kamen wir dran. So einfach wie es ausschaute war es dann doch nicht. Das Gerät wollte mit der richtigen Kraft niedergehalten werden und gleichzeitig in Richtung gebracht werden. Das war eine Koordinationsübung für uns.  Aus den anfänglichen Schlangenlinien wurden dann, nach einem lebendigen Erfahrungsaustausch, dann doch noch  gerade Furchen mit annähernd gleichen Tiefen. Jeder kam einmal als "Wagenlenker" dran. Nach einer halben Stunde war der Boden eines Gewächshauses in der Größe von ca. 8 x 25 Metern  gewendet. Jetzt mussten die Furchen wieder eingeebnet werden. Dazu wurde eine Egge, eine rautenförmige Stahlkonstruktion mit ca. 10 cm langen Zähnen angespannt. Das war dann leichter. Andreas führte Tequila und einer oder zwei von uns mussten dann nur hinterherlaufen um beim Wenden der Egge zu helfen. Das wars dann auch schon. Unterwegs köttelte der DSC 5866Hauptakteur noch ein bischen und düngte in einem perfekten Kreislauf den Boden. Besser kanns nicht gehen, kein Mineraldünger, nur Natur.  Tricky hatte in der Zeit das andere Gewächshaus vorbereitet.  Nach getaner Arbeit wurden die Ponys dann wieder entkleidet, die Hufe noch einmal geputzt, bevor es wieder ins Gehege ging. Die Geräte wurden wieder verstaut und wir waren um eine schöne Erfahrung reicher.

 

Vielen Dank für diesen schönen Workshop an Kerstin, Andreas, Malte, Tequila und Tricky.

 

Diesen Kurs kann ich nur empfehlen.  Und hier gehts zu den Fotos.
Bis zum nächsten Event.
Werner

 

 

Letzte Änderung am Sonntag, 23 Februar 2014 16:27

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